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Deine Haut spannt, rötet sich, schuppt – und manchmal scheint es nach bestimmten Mahlzeiten, nach einem Glas Wein oder einem stressigen Wochenende schlimmer zu werden. Wer mit Schuppenflechte lebt, fragt sich früher oder später: Hat meine Ernährung eigentlich einen Einfluss? Die Antwort ist differenzierter als ein einfaches Ja oder Nein, aber sie ist hilfreich: Bestimmte Ernährungsmuster können entzündliche Prozesse bei Psoriasis beeinflussen – wenn auch nicht heilen.
- Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung – Ernährung kann Entzündungsprozesse modulieren, ersetzt aber keine medizinische Behandlung
- Das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren beeinflusst die körpereigene Entzündungsreaktion – pflanzliche Quellen wie Leinsamen, Walnüsse und Algenöl sind gut integrierbar
- Alkohol ist einer der wenigen ernährungsbezogenen Trigger mit klarer wissenschaftlicher Evidenz bei Psoriasis
- Glutenfreie Ernährung ist nur bei gleichzeitig nachgewiesener Zöliakie oder Glutensensitivität sinnvoll – als allgemeiner Trend ohne Befund bringt sie keinen belegten Nutzen
- Die Darm-Haut-Achse ist ein wachsendes Forschungsfeld: Das Darmmikrobiom beeinflusst systemische Entzündungen, die auch die Haut betreffen
Warum ist Ernährung bei Schuppenflechte überhaupt relevant?
Psoriasis ist keine isolierte Hauterkrankung – sie ist ein systemisch-entzündliches Geschehen, das sich an der Haut zeigt. Das Immunsystem ist fehlgesteuert: Entzündungsbotenstoffe (Zytokine) wie TNF-α und verschiedene Interleukine treiben die Überreaktion an, Hautzellen erneuern sich viel schneller als normal. In Deutschland sind laut der S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften schätzungsweise etwa 2 % der Bevölkerung betroffen (AWMF, 2021).
Genau dort liegt die Schnittstelle zur Ernährung: Bestimmte Lebensmittel liefern die Bausteine, aus denen der Körper entweder entzündungsfördernde oder entzündungshemmende Substanzen herstellt. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann gezielt Einfluss nehmen – als ergänzenden Baustein zur medizinischen Therapie.
Ein wichtiger Hinweis: Ernährung kann hier unterstützen, ersetzt aber keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Schüben oder Verschlechterungen sollte ärztliche Abklärung gesucht werden.

Welche Lebensmittel helfen, Entzündungen zu dämpfen?
Der zentrale Mechanismus ist das Omega-3/6-Verhältnis: Omega-6-Fettsäuren – insbesondere Arachidonsäure – werden im Körper zu entzündungsfördernden Substanzen (Eicosanoiden) umgewandelt. Sie finden sich vor allem in tierischen Produkten: rotem Fleisch, Wurstwaren und tierischen Fetten. Omega-3-Fettsäuren konkurrieren mit diesen Stoffwechselwegen und können entzündungshemmend wirken.
Eine pflanzenbasierte Ernährung hat hier einen strukturellen Vorteil: Wer tierische Produkte deutlich reduziert oder ganz darauf verzichtet, senkt automatisch die Arachidonsäurelast. Gleichzeitig lassen sich Omega-3-Quellen gezielt integrieren:
| Pflanzliche Omega-3-Quelle | Fettsäureprofil | Praktischer Tipp |
|---|---|---|
| Leinsamen (geschrotet) | Hoch in ALA | 1–2 EL täglich in Müsli oder Smoothie |
| Walnüsse | Hoch in ALA | Täglich eine kleine Handvoll |
| Chiasamen | Hoch in ALA | Quellbar, vielseitig einsetzbar |
| Algenöl | Enthält EPA + DHA direkt | Einzige pflanzliche EPA/DHA-Quelle |
| Hanfsamen | Günstiges Omega-3/6-Verhältnis | Gut als Topping auf Salaten |
ALA = Alpha-Linolensäure (pflanzlich); EPA und DHA sind die langkettigen, biologisch besonders aktiven Formen, die der Körper aus ALA nur begrenzt umwandeln kann.
Bei einer vollwertig pflanzlichen Ernährung empfiehlt sich Algenöl als direkte EPA/DHA-Quelle. Hochdosierte Omega-3-Präparate sollten nur unter ärztlicher Begleitung eingenommen werden.
Ebenfalls relevant: polyphenolreiche Lebensmittel wie Beeren, grünes Blattgemüse, Kurkuma und Kreuzblütler (Brokkoli, Rosenkohl). Sie liefern Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe, die oxidativen Stress – ein Treiber systemischer Entzündung – reduzieren können.
Darm-Haut-Achse: Wie beeinflusst das Mikrobiom Psoriasis?
Die Darm-Haut-Achse beschreibt die wechselseitige Beziehung zwischen dem Darmmikrobiom – der Gesamtheit aller Mikroorganismen im Verdauungstrakt – und Hautprozessen. Das Mikrobiom beeinflusst das Immunsystem direkt: Eine gestörte mikrobielle Balance (Dysbiose) kann systemische Entzündungsprozesse begünstigen, die sich auch an der Haut zeigen.
San et al. (2024) untersuchten in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie über sechs Wochen, wie Veränderungen in der Glutenzufuhr das Darmmikrobiom bei Personen mit gastrointestinalen Beschwerden und Dermatitis beeinflussten. Wichtig ist die Einordnung: Die bakterielle Diversität und Zusammensetzung blieben in dieser Studie stabil; Hinweise zeigten sich vor allem bei der Pilz-Diversität. Für Psoriasis lässt sich daraus kein pauschaler Gluten-Effekt ableiten, wohl aber die vorsichtige Annahme, dass Ernährung, Darmmikrobiom und Hautentzündung individuell zusammenhängen können (San et al., 2024 | PMID: 38674918).
Nakatsuji et al. (2017) zeigten außerdem, dass Kommensal-Bakterien auf gesunder Haut antimikrobielle Substanzen produzieren, die pathogene Keime kontrollieren – und dass dieses Gleichgewicht bei entzündlichen Hautzuständen gestört ist (Nakatsuji et al., 2017 | PMID: 28228596). Die Forschung legt nahe, dass sowohl das Darm- als auch das Hautmikrobiom mit dem Entzündungsgeschehen bei Psoriasis interagieren – der genaue Mechanismus wird weiter untersucht.
Praktisch bedeutet das: Eine ballaststoffreiche Ernährung aus Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Gemüse ernährt nützliche Darmbakterien. Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi oder naturtrüber Apfelessig können die mikrobielle Vielfalt zusätzlich fördern.
Was weiß die Forschung über Probiotika und Hautgesundheit?
Probiotika – lebende Mikroorganismen, die die Darmflora positiv beeinflussen sollen – stehen im Kontext entzündlicher Hauterkrankungen zunehmend im Fokus. Wichtig ist dabei eine ehrliche Einschätzung der Evidenzlage: Die meisten vorliegenden Studien beziehen sich auf atopische Dermatitis (Neurodermitis), nicht auf Psoriasis.
Navarro-López et al. (2018) beobachteten in einer randomisierten klinischen Studie, dass eine Mischung oraler Probiotika den SCORAD-Index – ein Maß für die Schwere atopischer Dermatitis – bei Kindern und Jugendlichen positiv beeinflusste (Navarro-López et al., 2018 | PMID: 29117309). Carucci et al. (2022) untersuchten den therapeutischen Effekt von Lacticaseibacillus rhamnosus GG bei Kindern mit atopischer Dermatitis – einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung, die bis zu 20 % der pädiatrischen Bevölkerung betrifft – und fanden Hinweise auf eine Verbesserung des Hautzustands (Carucci et al., 2022 | PMID: 36003050).
Ob diese Effekte auf Psoriasis übertragbar sind, ist derzeit nicht eindeutig belegt. Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass Mikrobiom-unterstützende Maßnahmen auch bei anderen entzündlichen Hauterkrankungen relevant sein können. Probiotische Lebensmittel wie fermentierter Joghurt, Kefir oder Miso sind eine niedrigschwellige Option – vor dem Einsatz hochdosierter Präparate bei Grunderkrankungen empfiehlt sich ärztliche Rücksprache.
Welche Mikronährstoffe sind bei Schuppenflechte besonders wichtig?
Drei Mikronährstoffe stehen bei Psoriasis besonders im Fokus:
Vitamin D wirkt immunmodulierend und greift direkt in die Signalwege ein, die bei Psoriasis überaktiviert sind. Viele Menschen in Deutschland haben – unabhängig von einer Grunderkrankung – in den Wintermonaten unzureichende Spiegel. Hinweise deuten darauf hin, dass ein Mangel die Krankheitsaktivität beeinflussen kann. Pflanzliche Quellen sind begrenzt (UV-bestrahlte Pilze, angereicherte Lebensmittel); bei nachgewiesenem Mangel ist eine Supplementierung sinnvoll – die genaue Dosierung sollte ärztlich begleitet werden.
Zink ist an Wundheilung, Immunantwort und Regulierung entzündlicher Prozesse beteiligt. Gute pflanzliche Quellen sind Hülsenfrüchte, Kürbiskerne, Nüsse und Vollkornprodukte. Einweichen und Keimen verbessert die Bioverfügbarkeit, da Phytinsäure die Aufnahme sonst hemmt.
Selen wirkt antioxidativ und unterstützt zelluläre Immunfunktionen. Paranüsse sind die reichste pflanzliche Quelle – zwei bis drei Stück täglich können den Bedarf decken. Wegen des sehr hohen Gehalts sollte diese Menge dauerhaft nicht überschritten werden.
Ernährungstrigger bei Psoriasis – was die Evidenz wirklich zeigt
Psoriasis-Trigger werden in Ratgeberartikeln häufig übertrieben dargestellt. Hier eine realistische Einordnung nach Evidenzlage:
Alkohol – klare Evidenz: Alkohol beeinflusst Immunreaktionen direkt, kann systemische Entzündungen verstärken und die Wirksamkeit mancher Psoriasis-Medikamente abschwächen. Die AWMF-Leitlinie empfiehlt, Alkohol bei Psoriasis deutlich zu reduzieren oder zu meiden (AWMF, 2021).
Gluten – differenzierte Evidenz: Für Psoriasis ist eine pauschale glutenfreie Ernährung ohne Zöliakie oder nicht-zöliakische Glutensensitivität wissenschaftlich nicht begründet. San et al. (2024) fanden bei veränderter Glutenzufuhr keine stabile Veränderung der bakteriellen Darmmikrobiom-Zusammensetzung, sondern vor allem Hinweise auf Veränderungen der Pilz-Diversität (San et al., 2024 | PMID: 38674918). Wer Gluten als persönlichen Trigger vermutet, sollte zuerst eine entsprechende Diagnostik anstreben.
Nachtschattengewächse (Tomaten, Kartoffeln, Paprika) – sehr schwache Evidenz: Die wissenschaftliche Basis für eine Meidung dieser Lebensmittel bei Psoriasis ist minimal. Wer keine individuelle Unverträglichkeit bemerkt, muss diese nährstoffreichen Lebensmittel nicht streichen.
Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel – plausibel, begrenzte psoriasis-spezifische Daten: Stark zuckerhaltige Ernährung und hochverarbeitete Produkte können systemische Entzündungsmarker erhöhen – ein allgemein gut belegter Mechanismus, der bei Psoriasis plausibel ist, für den aber spezifische Studien noch begrenzt sind.
Hilft Gewichtsabnahme der Schuppenflechte?
Übergewicht (Adipositas) und Psoriasis sind eng miteinander verknüpft. Fettgewebe produziert entzündungsfördernde Botenstoffe (Adipokine), die das Immunsystem beeinflussen und Schübe begünstigen können. Die AWMF-Leitlinie benennt Übergewicht explizit als Faktor, der die Krankheitsaktivität beeinflusst und bei dem eine Gewichtsreduktion positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben kann (AWMF, 2021).
Bereits eine moderate, nachhaltige Gewichtsabnahme kann dazu beitragen, systemische Entzündungsmarker zu senken. Entscheidend ist Nachhaltigkeit: Eine vollwertige, ballaststoffreiche Ernährung ohne drastische Kalorienbeschränkung wirkt langfristig besser als kurzfristige Crashdiäten. Bei geplantem Gewichtsmanagement im Zusammenhang mit einer Grunderkrankung ist ernährungstherapeutische oder ärztliche Begleitung sinnvoll.
FAQ: Häufige Fragen zu Ernährung bei Schuppenflechte
Kann ich Schuppenflechte durch Ernährung heilen?
Welche Lebensmittel sollte ich bei Schuppenflechte meiden?
Kann eine vegane Ernährung bei Schuppenflechte helfen?
Was ist die Darm-Haut-Achse?
Brauche ich Omega-3-Präparate?
Muss ich Nachtschattengewächse weglassen?
Fazit: Ernährung als wirksamer, aber realistisch einzuordnender Hebel
Eine gezielte Ernährungsanpassung kann die Entzündungslast bei Schuppenflechte beeinflussen – wenn sie konsequent und langfristig umgesetzt wird. Eine pflanzenbasierte, ballaststoffreiche Kost mit guten Omega-3-Quellen, wenig Alkohol und wenig hochverarbeiteten Lebensmitteln bildet den besten Ausgangspunkt. Wo Verdachtsmomente bestehen – etwa Gluten bei gleichzeitigen Magen-Darm-Beschwerden – lohnt sich gezielte Diagnostik.
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